Der Mond lauert

Nachts hängt der Mond an einer Ecke herum und lauert auf die Mondsüchtigen, denen er den Stoff ihrer Träume verkauft und auf die Mondkälber und Verrückten, die er zu seinem Amüsement auf Abwege leitet.

The moon lurks – At night, the moon hangs around a corner, lurking for the moonstruck, to whom he sells the stuff of their dreams, and for the mooncalves and lunatics whom he leads astray for his amusement.

Was Hunde nachts so treiben

Während Herrchen und Frauchen tief schlafen, ziehen die Hunde um die Häuser und in die Clubs. Das hier ist die beliebteste location, aber der Türsteher ist ein harter Knochen.

What dogs get up to at night – While their owners are asleep, the dogs roam the streets and go to the clubs. This is the most popular spot, but the bouncer is a tough nut to crack.

Ein Bild aus einer anderen Zeit (8)

Früher, in der alten Bundesrepublik, wurde man bisweilen von alten Männern mit Schaum vor dem Mund angeblafft, ob man denn überhaupt gedient habe. Dann teilten sie einem mit leuchtenden Augen mit, wie sehr sie in Stalingrad gelitten hätten, wussten aber wenig darüber, was sie dort eigentlich zu suchen hatten. Wenn heute alte Männer von ihrem harten Dienst berichten, dann bezieht sich das auf eine Zeit, als die Post noch eine Behörde und nicht nur eine Zumutung war und der Dienst darin bestand, mit dem nicht elektrifizierten Fahrrad durch tief verschneite Straßen zu pflügen. Erfrierungen waren dennoch selten. Mit dem Wenigen, das ich aus meinem Zivildienst erzählen kann, kann ich keine Krankenpflegerin beeindrucken, die an einem Tag mehr Wahnsinn sieht als ich in den fast zwei Jahren. – Lange sah es so aus, dass die heutige Jugend ihren Enkeln höchstens noch von seltsamen Erlebnissen als Bedienung in der Kneipe berichten könnte. Doch der zivilisatorische Rückschritt wird diese Generation womöglich an die Orte führen, an denen ihre Urgroßväter nur ihre Pflicht erfüllt haben, mindestens aber in eine Mehrbettstube, wo ihnen der Stubenälteste das Saufen beibringen wird.

A Picture from Another Time – Back in the old Federal Republic, you’d sometimes be barked at by old men, foaming at the mouth, asking if you’d even served. Then, with shining eyes, they’d tell you how much they’d suffered in Stalingrad, but knew little about what they’d actually been doing there. When old men talk about their arduous service today, it refers to a time when the post office was still a government agency and not just a nuisance, and the service consisted of plowing through deep snow-covered streets on a non-electric bicycle. Frostbite was rare, though. With the little I can recount from my civilian service, I can’t impress a nurse who sees more madness in a single day than I did in almost two years. – For a long time, it seemed that today’s youth would only be able to tell their grandchildren about strange experiences working in service at a pub. But civilizational regression may lead this generation to the places where their great-grandfathers only fulfilled their duty, or at least to a shared room where the room elder will teach them how to booze. („German Post Office, In-service training“)

Drinnen und draußen

„Ist das hier langweilig!“ seufzt die Deckenlampe. „Todlangweilig!“ stimmt die Stehlampe zu. „Den ganzen Tag lang nichts zu tun!“ jammert die Deckenlampe. „Und nur am Abend ein, zwei Stunden dem Menschen beim Lesen zusehen dürfen!“, motzt die Stehlampe. „Wenn man wenigstens mal vor die Tür gehen könnte! Die Lampen draußen dürfen die ganze Nacht lang leuchten und bekommen was zu sehen!“ „Ach!“ seufzt die Stehlampe. „Ach!“ seufzt die Deckenlampe. – Zur gleichen Zeit beklagt sich die Laterne bei ihrer Nachbarin, dass es viel zu kalt sei. „Ja, saukalt!“ stimmt diese zu. „Einmal mit einer Wohnungslampe tauschen, das wär’s!“ „Ach!“ seufzt die Laterne. „Ach!“ seufzt ihre Nachbarin.

Inside and Outside – „This place is so boring!“ sighs the ceiling lamp. „Dead boring!“ agrees the floor lamp. „Nothing to do all day long!“ laments the ceiling lamp. „And only being allowed to watch people reading for an hour or two in the evening!“ grumbles the floor lamp. „If only we could go outside! The lamps outside get to shine all night and actually get to see something!“ „Aww!“ sighs the floor lamp. „Aww!“ sighs the ceiling lamp. – At the same time, the lantern is complaining to its neighbor that it’s much too cold. „Yes, freezing cold!“ agrees the neighbor. „To swap places with an indoor lamp, that would be something!“ „Aww!“ sighs the lantern. „Aww!“ sighs its neighbor.